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SCHLEMMEN UND RÄTSELN AUF SCHLOSS BÜCKEBURG

Willkommen zum Krimidinner!

Üblicherweise schenke ich meiner Freundin Silke zum Geburtstag eine Flasche Schampus. Und, dass ich NICHT singe. Die Flasche Schampus genießen wir meist gemeinsam – und dann wird doch wieder gesungen.

Den Schampus gab es vor zwei Wochen zum Geburtstag also natürlich – aber Silke konnte die Flasche nicht öffnen. Denn ein kleines, gemeines Zahlenschloss hinderte sie daran, den guten Tropfen direkt einzuschenken. Und das mit dem Zahlenschloss… war ich. Es hat eine Weile gedauert, bis Silke die Hinweise auf dem Etikett entdeckte. Ein Datum, eine Uhrzeit, Gleis 12 Hannover Hbf. Mehr nicht.

Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, dicht zu halten. Wie sie es geschafft hat, nicht vor Neugier zu platzen, weiß ich schon gar nicht. Jedenfalls war sie überpünktlich am Bahnhof. Ich hatte uns einen kleinen Snack und ein Niedersachsen-Ticket organisiert und dann ging es auch schon los.


Auf ins Überraschungs-Abenteuer

Die halbe Stunde Fahrt verging wie im Flug. Felder, Wiesen und kleine Dörfer zogen vorbei und fast hätte ich den Ausstieg verpasst. „Bückeburg, Ausstieg in Fahrtrichtung rechts“, erinnerte uns die Durchsage. Gerade noch rechtzeitig, bevor der Zug hält, stehen wir an der Tür. Leicht irritiert steigt Silke hinter mir aus. „Was wollen wir denn hier…?“, will sie fragen, verkneift es sich aber. Sie schultert ihre Tasche und folgt mir mutig.

Auf dem Vorplatz erwartet uns verheißungsvoll eine riesige „Germania“. Perfekt, wir sind auf dem richtigen Weg. Silke fragt und zuppelt natürlich ständig, wohin es denn nun geht. „Zum Schloss“, ist das Einzige, was ich ihr an dieser Stelle schon verraten möchte. Aber das genügt ihr auch, denn sie liebt alte Schlösser und Burgen.

Vom Musikzimmer bis zum „stillen Örtchen“

Ein kurzer Spaziergang und wir können es schon sehen – das Schloss Bückeburg ist in natura noch viel beeindruckender und schöner als auf den Bildern, die ich bisher gesehen habe. Je näher wir kommen, desto mehr zieht uns das Schloss in seinen Bann. Ocker-gelb strahlt es, würdevoll eingerahmt von mächtigen Buchen und Eichen, die schon so alt sind, wie wir es ganz sicher nicht mehr werden.

Als wir eintreten, haben wir noch ein wenig Zeit bis zur Führung, die ich gebucht habe. „Hinter den Kulissen“ heißt sie und verspricht Türen zu öffnen, die bei normalen Schlossführungen verschlossen bleiben.

Innen ist es noch schöner als außen. Überall glänzt und prunkt es, an jeder Säule entdecken wir eine neue Skulptur, ein verspieltes Ornament oder versteckte Malerei. Wie mag es gewesen sein, als Fürstin hier zu leben? Oder als Dienstmagd?

Genau das erleben wir in den nächsten drei Stunden hautnah. Wir sprechen kaum, sondern lauschen gespannt den Geschichten der Gästeführung. Wir sehen das Musikzimmer des Fürsten, gruseln uns ein wenig in der Kapelle und wagen kaum hinabzuschauen, als wir das Turmzimmer besteigen. Und was mich ja schon immer mal interessiert hat, sehen wir auch: das stille Örtchen des letzten Kaisers. Aha, so war das also…

Pausieren wie die Fürstin

Erschöpft, glücklich und mit vorher noch nie gesehenen Eindrücken kommen wir zurück ins Erdgeschoss. Lassen die königliche Welt noch etwas auf uns wirken, als ich Silke frage: „Na, wie viele Stockwerke hat das Schloss insgesamt?“ Sie muss ein paar Mal raten, aber dann verrate ich ihr die erste Ziffer für das Zahlenschloss.

Wir brauchen eine Pause. Perfekt – da ist das Schlosscafé. Es liegt in der historischen Schlossküche und es duftet nach frischem Kaffee, Kuchen und Sahne.

„Du bezahlst den Kaffee und ich verrate dir die zweite Ziffer“. Keine Frage, da werden wir uns schnell einig und genießen den Ausblick und das wuselige Treiben im Café.

Es ist Abend geworden und wir schlendern noch ein wenig durch den Schlossgarten. Die frische Luft tut gut und es ist herrlich, alles so beleuchtet. Ich verrate Silke, dass wir gleich noch zum Essen verabredet sind. Ein Vier-Gänge-Menü wartet auf uns… und eine Überraschung.

Feine Dinner Show

Lieben ihren Job: Das „Krimidinner“-Team überrascht die Besucher

Krimis lösen und fein dinieren

Zu unserem Dinner gehen wir wieder die breite Treppe hinauf. Wir werden schon erwartet. Frau Dr. Sachsenstein begrüßt uns persönlich im Speisesaal ihrer Privatklinik. Hä? Ja, so hat Silke auch geguckt. Wir sind zu Gast beim Krimidinner „Mord bei bester Gesundheit“ und das Erlebnis beginnt gleich am Eingang: Johann, der Hausdiener begrüßt uns herzlich und führt uns zu den Plätzen.

Nun will ich euch gar nicht zu viel verraten, denn wer will am Anfang eines guten Krimis schon wissen, was noch alles passiert?! Nur so viel: Wir sind plötzlich Teil einer perfiden Verschwörung, Versuchspatienten und Detektive in einem. Es kann ja keiner ahnen, dass Gräfin Riesel-Kalk höchstpersönlich…

…naja, jedenfalls kommen wir vor lauter Staunen, Lachen und Rätseln kaum zum Essen. Und für das Menü allein hat es sich schon gelohnt, Schloss Bückeburg zu besuchen. Vor allem bin ich aber neidisch auf Silke. Da hat sie doch tatsächlich still und heimlich den Mörder entlarvt. Sie wurde offiziell zur Hilfsdetektivin ernannt und Johann persönlich gratuliert ihr ganz formvollendet.

Ab nach Hause

Es ist spät geworden und als wir aus dem Schloss Bückeburg in die Nacht hinaustreten, holt Silke die noch immer versiegelte Flasche Schampus hervor. „Was ist denn nun? Meine Beförderung müssen wir ja wohl begießen“. Recht hat sie. Und so sitzen wir übermütig gackernd auf den Stufen zum Schloss und köpfen den Geburtstagsschampus. Wie gut, dass wir heute Abend nicht mehr selbst fahren müssen. Das übernimmt die WestfalenBahn nämlich für uns. Auch daran könnten wir uns gewöhnen.

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