undes Schild des Automuseums Melle mit Oldtimer-Illustration und Schriftzug „Geschichte auf Rädern“ vor einem Eingangstor. Im Hintergrund sind Bäume und ein helles Gebäude unscharf zu sehen.
Hagenhoff Werbeagentur/Tourismusgesellschaft Osnabrücker Land mbH
Geschichte auf Rädern

Internationaler Museumstag im Automuseum Melle

Internationaler Museumstag – das ist für mich als ausgewiesenen Museumsenthusiasten wie Weihnachten und Ostern zusammen. Zumindest ein bisschen. Jedes Jahr im Mai freue ich mich wie ein kleines Kind, packe mir Saftpäckchen und Käsestulle ein und lasse mich von der WestfalenBahn zum nächstbesten Museum in meiner Nähe kutschieren. Leider wird die Auswahl der von mir noch nicht besuchten Museen immer dünner. Ob Hubschraubermuseum, Teemuseum oder abstrakte Kunst im Picasso-Museum  – ich habe schon fast jedes Museum in Niedersachsen und NRW von innen gesehen. Aber halt: War da nicht was mit Autos? Richtig: das Automuseum Melle!


Automuseum Melle: Was ist das?

Das Automuseum Melle ist kein stilles Schaumagazin, in dem alte Autos wie Kunst und Krempel hinter Absperrband verstauben. Hier geht es um „Geschichte auf Rädern“: Über 250 Fahrzeuge aus verschiedenen Epochen werden fahrtauglich erhalten und als Leihgaben gezeigt. Das heißt: Die Ausstellung bleibt in Bewegung, weil immer wieder andere Fahrzeuge dazukommen oder zurück zu ihren Besitzerinnen und Besitzern gehen.

Mehrere Fahrzeuge in einer Ausstellungshalle des Automuseums Melle, darunter ein silberner Mercedes mit geöffneten Flügeltüren und ein hellblauer Porsche im Vordergrund. Im Hintergrund sind weitere Oldtimer und große Wandgrafiken zu sehen.
Stadt Melle

Mercedes, Porsche, Volkswagen und Thomas: Die alte Möbelfabrik in der Pestelstraße ist jetzt eine Luxusgarage.

Seit 1997 sitzt das Museum in der ehemaligen Möbelfabrik Melchersmann, einem denkmalgeschützten Industriebau an der Pestelstraße. Drei Etagen, viel Backstein, hohe Decken und überall glänzendes Blech. Für mich ist das ganz klar Kultur, wenn nicht sogar Hochkultur! Nicht diese moderne Kunst, bei der ich manchmal ratlos vor drei weißen Linien stehe, sondern Handwerk, Technik, Design und Zeitgeschichte zum Anfassen.

Mit dem Zug zum Auto: Anfahrt und erste Eindrücke

Eigentlich hätte ich ja mit dem Auto anreisen müssen. Entspannter war es für mich allerdings mit der WestfalenBahn. Einfach bis Melle Bahnhof und dann fünf Minuten zu Fuß. Sehr angenehm, vor allem, wenn das Wetter in Melle mitspielt.

Der erste Eindruck: Das Gebäude macht sofort was her. Ich mag solche alten Industriebauten. Da spürt man, dass hier früher gearbeitet wurde. Kein steriler Klotz, sondern ein Ort mit Patina. Ein ganzer Kosmos aus Chrom, Leder, Holzlenkrädern und Motorhauben. Super!

Plakat zur Sonderausstellung „Out of the Dark“ im Automuseum Melle. Links steht ein teilweise verhülltes Fahrzeug im Scheinwerferlicht, rechts sind große weiße Schriftzüge, Karmann-Bänder sowie Logos von Volkswagen Classic, Karmann und Automuseum Melle zu sehen.
Automuseum Melle

Out of the Dark, into the Light: Plakat zur Sonderausstellung im Automuseum Melle (ohne Falco).

Sonderausstellung: Out of the Dark

Besonders gespannt war ich auf die Sonderausstellung „OUT OF THE DARK – Karmann Konzepte“. Schon das Plakat dazu hat mich direkt gepackt, Falco-Ohrwurm inklusive. Bei der Ausstellung werden Fahrzeuge aus der Automobilsammlung von Volkswagen Osnabrück erstmals außerhalb des Werksgeländes öffentlich gezeigt. Und Karman ist für mich als Osnabrücker natürlich ein Name, bei dem es sofort klingelt.

Die Ausstellung rückt Entwürfe, Prototypen und Studien in den Mittelpunkt, die sonst kaum jemand zu sehen bekommt. Und genau das macht sie so spannend. Hier stehen Fahrzeuge, bei denen man merkt, dass Autos nicht nur Fortbewegungsmittel sind, sondern auch Ideen auf Rädern.

Karmanns Erbe: Vom Corrado bis zur Stilstudie Pik As

Ich bin langsam durch die Reihen gegangen und habe mich festgeguckt. Der Corrado G60 Cabrio zum Beispiel: sportlich, kantig, eindeutig 80er/90er, aber auf eine Weise, die heute wieder richtig stark wirkt. Dann die Stilstudie Pik As von 1973 mit ihrer Keilform und dem futuristischen Innenraum. Da dachte ich kurz: So stellte man sich damals also die Zukunft vor. Und ganz ehrlich, so richtig weit weg vom Tesla Cybertruck war das alles auch nicht.

Blick in die Ausstellungshalle des Automuseums Melle mit mehreren Oldtimern und Cabriolets. Im Vordergrund steht ein teilweise mit Schutzfolie abgedecktes Fahrzeug, dahinter sind weitere historische Autos in Reihen zu sehen.
Stadt Melle

Gut betucht: Stilstudie und Prototyp sind im Automuseum zum Teil mit Folie bedeckt.

Auch die Coupéstudie VW Typ 1, der Cheetah, das VW 411 Cabriolet und der Mercedes 300 SL Flügeltürer als Karmann-Studie zeigen, wie breit dieses Erbe ist. Volkswagen spielt dabei eine wichtige Rolle, aber die Schau geht darüber hinaus. Es geht um Karosseriebau, Mut, Formgefühl und manchmal auch um Ideen, die nie in Serie gingen. Schade eigentlich. Ich hätte mich in jungen Jahren in so einem Prototyp vermutlich sehr wichtig gefühlt – und sehr wohlhabend.

Mein Fazit: Museumstag mit Stil und PS

Mir hat das Automuseum Melle richtig gut gefallen. „Out of the Dark“ war für mich das Highlight, aber auch die kleinen Abstecher zu den Dauerausstellungen mit den alten Kameras, Flugzeugmodellen und Kinderwagen aus 100 Jahren Familiengeschichte fand ich klasse. Das Museum ist bodenständig, ehrenamtlich getragen und trotzdem beeindruckend groß. Wer alte Autos liebt, ist hier sowieso richtig. Erwachsene zahlen 12 Euro Eintritt, Kinder 6 Euro. Für den internationalen Museumstag war das für mich genau die richtige Wahl. Ach ja: Das Museum lässt sich für Firmenfeiern und so etwas mieten. Falls ich also doch mal wieder Heiraten sollte, weiß ich nun wo ich „unter die Haube“ kommen kann, haha.

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