Eine Gruppe unterschiedlichen Alters hört bei einer kulinarischen Stadtführung durch Osnabrück aufmerksam zu. Eine ältere Teilnehmerin mit grünem Schal steht lächelnd in der Mitte.
Walk With Me GmbH, Fotografin: Rebecca Brasse
Gaumenfreuden im Freien

Kulinarische Stadtführung durch Osnabrück

Susanne und ich haben es wieder getan. Also uns getroffen. Nachdem es die letzten beiden Male eher sportlich war, sollte dieses Mal das Schmausen im Vordergrund stehen. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Osnabrücker Gaumenfreuden hieß die Tour, die wir uns dafür ausgesucht hatten. Statt Fahrradsattel und Speichersee warteten diesmal Springbrötchen, Pumpernickel und andere Spezialitäten aus dem Osnabrücker Land auf uns.


Essen auf Rädern, nur anders

Los ging es mitten in der Osnabrücker Altstadt. Unser Guide hatte dabei etwas im Schlepptau, das für die nächsten zweieinhalb Stunden eine ziemlich wichtige Rolle spielen sollte: eine gekühlte Genussstation auf Rädern. Anders als etwa bei Lucas kulinarischem Ausflug durch Lingen waren die Osnabrücker Gaumenfreuden nämlich keine klassische Food-Tour, bei der man nacheinander Restaurants und Cafés abklappert. Stattdessen begleiteten uns die Leckereien durch die Stadt und wurden unterwegs an ausgewählten Sehenswürdigkeiten serviert.

Eine Stadtführerin im grünen Mantel und mit schwarzer Mütze spricht gestikulierend zu ihrer Gruppe.
Walk With Me GmbH, Fotografin: Rebecca Brasse

Nachtwächterin im Dienst: Unser Guide hatte nicht nur Speisen, sondern auch jede Menge Anekdoten und Hintergründe im Gepäck.

Das hatte einen großen Vorteil: Wir blieben in Bewegung und mussten trotzdem auf nichts verzichten. Wobei „in Bewegung“ relativ war. Bei unserer Emspiraten-Tour hatten Susanne und ich noch deutlich kräftiger in die Pedale treten müssen. Diesmal bestand meine sportliche Höchstleistung darin, gleichzeitig zuzuhören, zu laufen und zu essen.

Vom Springbrötchen bis zum Pumpernickel

Während wir durchs wunderschöne Osnabrück flanierten, wurde schnell klar, dass es bei dieser kulinarischen Stadtführung nicht einfach nur ums Probieren ging. Hinter den Lebensmitteln steckten Geschichten aus der Stadt und dem Osnabrücker Land. So begegnete uns beispielsweise das Osnabrücker Springbrötchen (nicht zu verwechseln mit dem sibirischen Springbrötchen). Wir erfuhren von der kleinsten Abfüllanlage Deutschlands für Mineralwasser im benachbarten Belm (spannend!). Und dann war da noch die Sache mit dem Konfekt: Wer im 17. Jahrhundert in Osnabrück Süßigkeiten wollte, hätte besser zweimal darüber nachdenken sollen, ob die Apotheke dafür wirklich die richtige Adresse war (Auflösung bei der Führung).

Bei all den Geschichten probierten wir uns durch verschiedene herzhafte und süße Spezialitäten. Alles vegetarisch und alles aus der Region. Susanne war deutlich disziplinierter und hörte auch während der Verkostung aufmerksam zu. Ich ebenfalls. Meistens.

Stadtführung statt Restaurant-Hopping

Mit jeder Station bekam unser Spaziergang ein bisschen mehr Zusammenhang. Wir erfuhren nicht nur etwas über einzelne Produkte, sondern auch über die Menschen und das Handwerk dahinter. Dadurch fühlte sich die Tour weniger nach Verkostung mit angeschlossener Stadtführung an, sondern tatsächlich wie eine kulinarische Entdeckungsreise durch Osnabrück.

Ein Glas mit grobkörnigem Senf steht auf einem Holztisch. Im Hintergrund liegen angeschnittene Brötchen und ein Glas Honig.
©Walk With Me GmbH (Pixelshot / Canva

Lecker: Bei den Osnabrücker Gaumenfreuden gab es Essen (Symbolbild).

Mir gefiel besonders, dass wir die ganze Zeit draußen unterwegs waren. Die Altstadt war nicht bloß die Strecke zwischen zwei Häppchen, sondern gehörte fest zum Erlebnis. Sehenswürdigkeiten, Stadtgeschichte und regionale Küche griffen ineinander, ohne dass wir zwischendurch irgendwo auf einen freien Tisch warten mussten. Genau das unterscheidet die Osnabrücker Gaumenfreuden von vielen klassischen Food-Touren.

Mein Fazit: Osnabrück einmal anders

Was mir von den Osnabrücker Gaumenfreuden vor allem hängenblieb, war der neue Blick auf meine eigene Stadt. Viele Ecken kannte ich natürlich, die Geschichten und regionalen Spezialitäten dahinter oft noch nicht. Genau diese Mischung aus Stadtführung und Schlemmen machte die Tour für mich aus. Susanne und ich waren uns jedenfalls einig: Nach unseren sportlichen Treffen hatten wir uns dieses Kontrastprogramm verdient. Diesmal wurden keine Kilometer gezählt, sondern Kalorien. Eine Disziplin, in der ich mich auf Anhieb deutlich talentierter zeigte.

Die Nachtwächter: Weitere Touren durch Osnabrück

Ein paar Worte noch zu den Organisator*innen: Hinter den Osnabrücker Gaumenfreuden standen „Die Nachtwächter“. Rund 15 Guides gehören zum Team, einige davon mit mehr als 20 Jahren Erfahrung. Neben der kulinarischen Stadtführung bieten sie weitere Touren an, die Osnabrück aus unterschiedlichen Blickwinkeln zeigen.

Wer nach den Gaumenfreuden also noch nicht genug von Osnabrück hat, kann weiterziehen. Das Angebot reicht von klassischen Stadtführungen bis zu verschiedenen Themenführungen. Stoff für neue Geschichten gibt es in der Friedensstadt schließlich genug.

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